Was ist ACME? So funktioniert die automatische Zertifikatsverlängerung
ACME ist der offene Standard, der Beschaffung und Verlängerung von Zertifikaten zu einer API macht. Ein 47-Tage-Zyklus ist nur damit tragbar.
24. August 2026 · 7 Min. Lesezeit
Das Protokoll
ACME (Automatic Certificate Management Environment) ist in RFC 8555 definiert, veröffentlicht von der IETF im Jahr 2019. Entwickelt wurde es für Let's Encrypt; heute bieten kommerzielle Zertifizierungsstellen und interne PKI-Produkte dasselbe Protokoll an.
- Konto01
Der Client registriert ein Konto bei der Zertifizierungsstelle; der Kontoschlüssel signiert jede Anfrage.
- Bestellung02
Für die gewünschten Domainnamen wird eine Bestellung angelegt; die Zertifizierungsstelle liefert je Name eine Autorisierung zurück.
- Validierung03
Der Client weist die Kontrolle über die Domain mit einer Challenge nach.
- Abschluss04
Der Client reicht einen Certificate Signing Request (CSR) ein; die Zertifizierungsstelle signiert das Zertifikat.
- Zertifikat05
Der Client lädt das Zertifikat und seine Zertifikatskette herunter. Installation und Verifizierung liegen außerhalb von ACME.
Validierungsmethoden
- http-01
- Die Zertifizierungsstelle ruft eine bestimmte Datei auf Port 80 der Domain ab. Einfach, aber für Wildcards nicht zulässig, und es braucht einen öffentlich erreichbaren HTTP-Endpunkt.
- dns-01
- Ein TXT-Eintrag wird unter _acme-challenge gesetzt. Der einzige Weg für Wildcards und für interne Systeme, die von außen nicht erreichbar sind; erfordert API-Zugang zum DNS-Anbieter.
- tls-alpn-01
- Die Validierung findet innerhalb des TLS-Handshakes auf Port 443 statt (RFC 8737). Hinter Load Balancern nur eingeschränkt nutzbar.
Zeitpunkt der Verlängerung
- Faustregel: verlängern, wenn noch etwa ein Drittel der Laufzeit übrig ist. 30 Tage vor Ablauf bei einem 90-Tage-Zertifikat, rund 15 Tage bei einem 47-Tage-Zertifikat.
- Verlängerungsstürme vermeiden: Am selben Tag ausgestellte Zertifikate verlängern sich am selben Tag; ein kleiner zufälliger Versatz beim Verlängerungszeitpunkt hilft.
- ACME Renewal Information (RFC 9773): Die Zertifizierungsstelle veröffentlicht je Zertifikat ein empfohlenes Verlängerungsfenster und kann bei einem Vorfall eine vorzeitige Verlängerung anfordern.
- Zertifizierungsstellen setzen Rate Limits durch; bei großen Erstausrollungen sind sie einzuplanen.
Was ACME nicht abdeckt
ACME beschafft das Zertifikat; es installiert es nicht auf dem Zielsystem, lädt den Dienst nicht neu und prüft das Ergebnis nicht. Im Unternehmen steckt die eigentliche Arbeit in dieser zweiten Hälfte.
- Zertifikat und Schlüssel müssen sicher auf das Zielsystem gelangen; der private Schlüssel sollte dort bleiben, wo er erzeugt wurde.
- Der Dienst muss ohne Ausfallzeit neu geladen werden, und erst, nachdem der Konfigurationstest bestanden ist.
- Es muss bestätigt werden, dass das Zielsystem das neue Zertifikat tatsächlich ausliefert; bei einem Fehler erfolgt ein Rollback aus der Sicherung.
- Jeder Schritt muss protokolliert werden.
Häufige Fragen
- Ist ACME nur für Let's Encrypt?
- Nein. Es ist ein offener IETF-Standard; auch kommerzielle Zertifizierungsstellen und interne PKI-Produkte bieten ihn an.
- Welche Validierung braucht ein Wildcard-Zertifikat?
- Nur dns-01. http-01 und tls-alpn-01 sind für Wildcards nicht zulässig.
- Wo sollte der ACME-Client laufen?
- Auf dem Server, der das Zertifikat nutzt, oder in einem zentralen Verwaltungssystem. Der zentrale Ansatz ist sicherer, wenn er mit einem Inventar und verifizierter Installation kombiniert wird.
Quellen
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