Zertifikatsinventar aufbauen: Erkennung, Verantwortung, Datensätze
Bevor die Verlängerung automatisiert wird, muss eine Frage beantwortet sein: Welches Zertifikat, auf welchem System, in wessen Verantwortung? In den meisten Organisationen fehlt die Hälfte dieser Liste.
31. August 2026 · 6 Min. Lesezeit
Wo Zertifikate liegen
- Load Balancer und Reverse Proxys: der sichtbarste Ort, aber auch die Systeme dahinter können Zertifikate tragen.
- Web- und Anwendungsserver, API-Gateways, Kubernetes-Ingresses und Secret-Objekte.
- Mail-, VPN-, Verzeichnis- (LDAPS) und Datenbankserver; Management-Schnittstellen (BMC, Switches, Storage).
- Interne Werkzeuge: CI/CD, Monitoring, Logging; das meiste davon läuft mit selbstsignierten Zertifikaten oder interner PKI.
- Cloud-Ressourcen: verwaltete Load Balancer und CDNs tragen eigene Zertifikate.
Erkennungsmethoden
- Netzwerkscan
- In vorgegebenen IP-Bereichen werden Ports mit TLS gescannt und das ausgelieferte Zertifikat gelesen. Der direkteste Weg, interne Endpunkte zu finden; nur lesend, es wird nichts verändert.
- Certificate Transparency (CT)
- Jedes öffentlich vertrauenswürdige Zertifikat wird in öffentliche CT-Logs geschrieben (RFC 9162). Werkzeuge wie crt.sh listen jedes jemals für eine Domain ausgestellte Zertifikat; vergessene oder nicht autorisierte Ausstellungen werden sichtbar.
- DNS- und Cloud-Inventare
- DNS-Zonen und Cloud-Konten liefern die Namen, die gescannt werden müssen.
- Konfigurationsmanagement
- Zertifikatspfade in Server-Konfigurationsdateien zeigen, an wie vielen Stellen dasselbe Zertifikat installiert ist.
Was jeder Datensatz braucht
- Identität
- Der SHA-256-Fingerabdruck; er unterscheidet Versionen, die für dieselbe Domain ausgestellt wurden.
- Domainnamen
- CN und die SAN-Liste.
- Aussteller und Kette
- Zertifizierungsstelle, Zwischenzertifikat, Root. Eine unvollständige Zertifikatskette auszuliefern ist ein häufiger Fehler.
- Laufzeit
- Ablaufdatum und Schwellwert für die Benachrichtigung.
- Installationsort
- System, Port, Dateipfad oder Objektname; ein Zertifikat kann an mehreren Stellen liegen.
- Verantwortung und Verlängerungsweg
- Das zuständige Team; Verlängerung über ACME oder manuell.
Häufige Fehler
- Dasselbe Zertifikat an drei Stellen installiert, an einer verlängert: die alte Version wird weiterhin ausgeliefert.
- Ein abgelaufenes Zertifikat wird weiterhin ausgeliefert und niemand bemerkt es; die Clients haben die Prüfung abgeschaltet.
- Unvollständige Kette: Desktop-Browser funktionieren, die Mobile-App oder der API-Client scheitert.
- Selbstsignierte und interne Zertifikate fehlen im Inventar; niemand verfolgt ihren Ablauf.
Standards und Leitfäden
NIST SP 1800-16 beschreibt das Management von TLS-Serverzertifikaten als Unternehmensprogramm: Inventar, Verantwortung, Automatisierung, Überwachung und Incident Response.
- Die Automatisierung beginnt nicht, bevor das Inventar vollständig ist.
- Jedes Zertifikat hat einen Verantwortlichen und eine Verlängerungsmethode.
- Kürzere Laufzeiten lassen manuelle Prozesse nicht mehr skalieren; der Leitfaden empfiehlt ausdrücklich die Automatisierung.
Häufige Fragen
- Zeigen CT-Logs interne Zertifikate?
- Nein. CT erfasst nur Zertifikate öffentlicher Zertifizierungsstellen; Zertifikate aus interner PKI erfordern einen Netzwerkscan.
- Wie lange dauert ein Scan?
- Ein /24-Bereich ist in wenigen Minuten gescannt; große Organisationen wiederholen Scans nach Zeitplan.
- Können wir das Inventar manuell führen?
- In kleinem Maßstab, für kurze Zeit. Mit kürzeren Laufzeiten veraltet eine manuelle Liste schnell; Erkennung und Verifizierung sollten automatisiert werden.
Quellen
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